Warum an Datenhandschuhen kein Weg vorbei führt

Fast Jeder hat diesen Begriff schon einmal gehört, da dieser schon seit Jahrzehnten existiert: Datenhandschuhe

Was sind das überhaupt und warum könnten sie für Virtual Reality gar unverzichtbar sein?

Der Begriff beschreibt es eigentlich schon selbst, es sind grob genommen Handschuhe zur Datenverarbeitung. Allerdings ist das eine ziemlich grobe Umschreibung, denn genau genommen geht es hier um ein Ein- und auch Ausgabegerät vor allem für die virtuelle Realität.

Die Dateneingabe ist relative klar ersichtlich, die Finger und Handbewegungen werden durch den Handschuh erkannt und als Daten an den Computer geschickt, welcher damit die virtuelle Hand inklusive Finger exakt so bewegen kann, wie wir es gerade in der Realität mit unserer echten Hand tun.

Hier gibt es natürlich auch noch einen anderen Ansatz wie man diese Bewegungen für den Computer aufzeichnen kann, per Kameralösungen. Diese haben aber alle einen entscheidenden Nachteil: Kameras können nicht um Ecken gucken, wenn also die Hand oder auch nur ein anderer Finger einen Finger verdeckt, kann die Kamera nicht erkennen was dieser Finger macht, sie kann noch nicht mal die aktuelle Stellung des Fingers erkennen. Wer solche Kamera basierten Lösungen wie zum Beispiel Leap Motion nutzt, kennt dieses Problem, die Erkennung bricht immer wieder ab und hat Aussetzer. Dieses Problem kann keine Software der Welt lösen, da sie schlicht raten müsste welche Stellung der Finger hat und damit ist die Chance daneben zu liegen recht hoch.

Auch mehrere Kameras können hier keine Lösung bringen, da die Hand und die Finger einfach zu viele mögliche Stellungen haben kann um immer eine Kamera zu haben, die alle Finger erkennen kann. Daher ist solch eine Technik keine Lösung sondern nur eine Übergangslösung, eine Notlösung, bis wir eine bessere Lösung hierfür oder eben richtig brauchbare Datenhandschuhe haben. Letztere kennen kein solches Problem.

Ein weiterer Vorteil ist, dass nicht so viele Daten anfallen und nicht erst ein Kamera Bild analysiert werden muss um unsere Finger immer zuverlässig erkennen zu können. Bei einem Datenhandschuh bekommt man genau die Daten die man braucht, was dadurch auch die Latenz reduziert.

Alternativ gibt es die VR Controller, wie sie die HTC Vive und auch Oculus sie mit Oculus Touch hat. Hier hat man aber ein ganz anderes Problem. Zum einen ist die Hand nicht wirklich frei, der Nutzer hält ja die VR Controller in der Hand. Diese VR Controller sind aber nicht für alles geeignet. Wenn ich über eine reale Tastatur nun Text in der VR eingeben will, zum Beispiel in einen Text Chat dort, dann muss ich erst die Controller auf die Seite legen um die Tastatur nutzen zu können, was aber dem widerspricht was ich in der VR sehe, denn dort habe ich ja keine Controller in der Hand.

Ein weiteres Problem ist, dass ich mit solchen Controllern weder Lenkräder noch HOTAS benutzen kann. Echte Lenkräder und HOTAS für Spiele lassen sich durch keinen VR Controller der Welt ersetzen, aber eben auch nicht kombinieren. Ich kann kein Lenkrad anfassen, wenn ich bereits einen Controller in den Händen halte. Mit einem Datenhandschuh ist das alles kein Problem, diesen kann ich auch an behalten wenn ich ein Lenkrad, einen HOTAS oder eben auch eine Tastatur nutze.

Warum ist das aber nun wichtig bei Nutzung eines Lenkrads auch die Hand und Finger Bewegungen auszulesen? Damit meine Hand auch in der virtuellen Realität korrekt von Lenkrad zum Schalthebel wandert oder ich meine Hand vom HOTAS nehmen kann um andere Bedienelemente im Cockpit zu bedienen. Aber es braucht nicht mal das als Argument, es reicht schon zu sagen: damit ich meine Hände vom Lenkrad oder HOTAS nehmen kann und die virtuellen Hände nicht daran festgetackert sind, was sofort die Präsenz zerstören würde.

Aber das ist nicht der einzige Grund, wie erwähnt ist ein Datenhandschuh auch ein Ausgabegerät. Und zwar geht es hier um das Feedback der virtuellen Welt an unsere Hand. Es geht also schlicht um die Haptik, Dinge in der virtuellen Welt auch erfühlen zu können, zu spüren wenn man mit der Fingerspitze etwas berührt, erkennen zu können ob das ein hartes oder weiches Objekt ist, ob es eine samtartig oder grobe Oberfläche hat, ob es spitz oder stumpf ist, um das Gewicht zu spüren, wenn ich etwas in der Hand halte. Unsere Hände sind unsere alltäglich meistgenutzten Werkzeuge.

Das ist alles ein sehr komplexes Thema und auch mit einer der Hauptgründe wieso Datenhandschuhe noch nicht so weit für den Markt sind, denn vieles muss noch erforscht werden wie so etwas umgesetzt werden kann und das in einem so klein wie möglichen Format, damit wir keine klobigen Datenhandschuhe tragen müssen, die eher an dicke Winter Handschuhe erinnern und damit ungeeignet sind damit noch einen zusätzlichen Controller halten und bedienen zu können.

Wie aber will man sonst ein richtiges haptisches Feedback für den Nutzer umsetzen ohne auf Handschuhe zurück zu greifen? Das geht gar nicht anders. Allerdings wird es noch einige Jahre dauern bis wir entsprechende Technik so weit haben, dass man sie Massenmarkt tauglich anbieten kann und dann werden sie uns auch nicht alles damit fühlen lassen können. Und ein anderes Problem ist, dass Menschen sehr unterschiedliche Hände haben und die Datenhandschuhen möglichst Passgenau für den Nutzer sein müssen. Nicht nur damit sie möglichst bequem zu tragen sind sondern auch alle Funktionen korrekt funktionieren können. Ist ein Finger zu kurz erreicht er zum Beispiel nicht die Sensoren, die ihm den Tastsinn als Feedback zurück geben oder im umgekehrten Fall, also zu lang, drückt er zu sehr auf den Sensor.

Trotz all dieser Probleme sehe ich aber keinen Weg langfristig um Datenhandschuhe herum zu kommen. Wirkliche und vor allem Massenmarkt taugliche Alternativen sind mir bisher nicht mal im Ansatz untergekommen.

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